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Freitag, Juli 12, 2013

Archiv - Hans-Heinrich Sander im Ruhestand

(Ein Beitrag aus meinem aktuellen Blog vom 17. Januar 2012, der hier archiviert wurde)

Heute war ein guter Tag für Niedersachsen. Hans-Heinrich Sander ist endlich als Minister zurückgetreten. Leider nur aus Altersgründen.Hans-Heinrich Sander war im niedersächsischen Kabinett für Umwelt und Klimaschutz zuständig, aber ich würde ihn niemals als ein Umweltminister bezeichnen.
Dieser FDP Lokal-Politiker wurde erst 2003 in den Landtag gewählt und ohne Vorkenntnisse in das Kabinett berufen. Er war ein neben dem unsäglichen Innenminister eine regelmäßige Quelle für Verärgerung für Menschen, die sich wirklich mit ökologischen Fragen beschäftigen. Jemand, der glaubt, dass Bauern und Jäger die besten Umweltschützer sind, zeigt sein beschränktes Verständnis von Natur und Umweltschutz und sein Unverständnis von Ökologie.
Es waren seine Provokationen, die ihn unerträglich machten. die bekanntesten Beispiele waren:
  • Bereits 2003 zeigte er beim Besuch des Atommüllendllagers Schacht Konrad bei Salzgitter das Pro-Kernkraft-T-Shirt "Kerngesund"
  • Ende 2006 arbeitete er direkt gegen die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, als er persönlich mit einer Kettensäge im Biosphärenreservat an der Elbe Bäume fällte.
  • Seit 2009 betonte er immer wieder, wie wichtig Atomkraftwerke für den Umweltschutz sind und war ein wichtiger Unterstützer bei der von der Atommafia gekauften Entscheidung der Bundesregierung für eine Verlängerung der Laufzeiten
  • Anfang 2010 machte er sich lächerlich, als er die Stadt Hannover per Erlass zwingen wollte, die über mehrere Jahre angekündigte Umweltzone nicht in Kraft zu setzen.
Der Nachfolger ist benannt und wird morgen vereidigt. Er muss sich schon sehr anstrengen, um ähnliche inkompetente Entscheidungen zu treffen.
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1 Kommentar:
Heiner hat gesagt…
    Mann das wird aber auch Zeit...
    Noch eine schöne Episode aus seiner Amtszeit: Der geschasste Polizeipräsident fällt nach oben und
    ist jetzt im Landwirtschaftsministerium für Flurbereinigungen zuständig.
    Nur am Rande - hier bei uns läuft gerade so eine Flurbereinigung (und von "laufen" kann man
    wirklich nicht reden!)
17. Januar 2012 23:59

Dienstag, Oktober 16, 2012

Archiv: Bezahlte Pro-Atom-Demonstranten

(Ein Blogbeitrag vom 29. August 2009)

Gestern begannen verschiedene Aktivitäten von AKW-Gegnern in Gorleben (Trecker-Treck), Schacht Konrad bei Salzgitter und dem Atomklo Asse bei Wolfenbüttel. Am kommenden Samstag soll alles in Berlin enden und öffentlich daran erinnern, dass Atomkraft eine Scheidelinie in der Bevölkerung ist und einen erheblichen Einfluss auf die Entscheidung vieler Wahlberechtigter hat.
Die Betreiber der AKWs versucht in diesem Jahr diese Aktivitäten durch Pro-Atom-Demonstrationen ihre Sicht in die Öffentlichkeit zu tragen. Es ist nur peinlich, dass die Atommafia hierfür die potentiellen „Demonstranten“ unter Druck setzt und sie indirekt bezahlt.

Der Energiekonzern RWE veranstaltet am Schrottreaktor Biblis A, der eigentlich bereits 2007 nach dem so genannten Atomkonsens still gelegt werden sollte (wegen diversen Pannen hat dieses AKW bei Worms wie auch das AKW in Brunsbüttel in den letzten Jahren so wenig Strom produziert, dass Reststrommengen produziert werden dürfen), eine Kundgebung, auf welcher der RWE-Chef Jürgen Großmann und der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sprechen werden. Es geht gegen den Atomkonsens.
Alle Auszubildenden der RWE sind für die Teilnahme an dieser Kundgebung freigestellt und werden kostenlos von den verschiedenen Betriebsstandorten der RWE nach Biblis gefahren. Dagegen wäre wenig zu sagen, wenn es sich um die Auszubildenden im Bereich der AKWs handeln würde, doch diese wenig Dutzend Menschen würde keine gewünschte junge Menschenmenge Pro-Atom ergeben. RWE hat allen 3.000 Auszubildenden (die Firma ist in vielen Bereich der Energieerzeugung und Stromversorgung aktiv) für diesen Tag freigestellt. Dieser Aktion haben sich die anderen Mitglieder der Atommafia (u.a. Eon, Vattenfall) angeschlossen, so dass am kommenden Freitag auf jeden Fall viele junge Menschen in der Tagesschau und den anderen TV-Nachrichtensendern zu sehen sind, die für Atomkraft demonstrieren. Die Auszubildenden können nicht wählen, es ist ein Betriebsausflug und eine Nichtteilnahme hat sicherlich Auswirkungen auf die Weiterbeschäftigung nach der Ausbildung.
Da fehlen eigentlich nur noch die von der hausinternen Öffentlichkeitsarbeit produzierten Winkelemente und Transparente mit „coolen und lustigen Sprüchen“ und die Nähe zu SED- und NSDAP-Veranstaltungen wie dem 1. Mai Aufmärschen, die auch immer „freiwillig“ waren, ist perfekt.

Ich bin mir sicher, dass viele Medien positiv über diese Kundgebung von besorgten, jungen Menschen berichten werden. Ich denke hier an das Positivnachrichtenmagazin Focus und die „News“-Redaktionen von Pro7SAT1RTL.

Mehr hierzu in der taz vom 29. August 2009 : Nick Reimer „RWE lässt demonstrieren“

Auf zur DEMO nach Berlin gegen Atomkraft am Samstag, dem 5. September 2009
Atomkraft? Nein Danke!

Freitag, März 12, 2010

Archiv: Grüne Politik in Finnland - Pro Atomkraft

(ARCHIV: Blogeintrag vom 6. Februar 2008)

Der Klimaschutzbeauftragte der finnischen Regierung
Oras Tynkkynen befindet sich zur Zeit auf einer Reise durch Deutschland und äußert sich als Politiker der Grünen in einem Interview in der taz zu dem Dilemma, dass die finnische Regierung und Atomlobby den Neubau eines AKWs u.a. mit dem Klimaschutz begründet.
Wenn man die verschiedenen aktuellen Indikatoren (z.B. Energieverbrauch pro Kopf) nimmt, steht Finnland plötzlich nicht mehr als Musterland dar (Deutschland ja auch nicht!). Ein steigender Energieverbrauch wurde bis Ende des 20. Jahrhundert als ein positiver Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung angesehen. Seit den 1990-er Jahren gab es zunächst nur eine Debatte, die längst in die konkrete Politik gegangen ist, die Energiesparen als den wichtigsten Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz in den postindustriellen Ländern betrachtet.
An Finnland scheint diese Debatte vorbeigegangen zu sein.
Oras Tynkkynen verweist darauf:
Für große Teile der finnischen Wirtschaft sind Energiekosten wichtiger als Lohnkosten. Ihre Belange haben lange Zeit die Debatte dominiert. So denken die meisten nur darüber nach, wie Strom billig bleibt - und nicht darüber, Emissionen zu mindern. Energiepolitik dreht sich in Finnland vor allem um den Ausbau der Atomenergie. (Quelle: taz, 6. Februar 2008)
Interessant ist vor allem, wie er begründet, dass die öffentliche Meinung in Finnland von einer atomkritischen Mehrheit nach Tschernobyl zu einer Pro-AKW-Stimmung umschwenkte. Die Atom-Lobby hat aus ihren Fehler gelernt und nun loben Frauen in den Medien AKWs:
Atomkraft ist sicher, Atomkraft schützt das Klima, Atomkraft sichert die Zukunft ihrer Kinder - damit argumentieren sie. Und sie geben sich verständnisvoll gegenüber den Kritikern. Sie sagen, natürlich ist Windkraft gut, und wir brauchen sie auch. Sie loben regenerative Energien. Und dann fügen sie hinzu: Aber wir brauchen auch die Atomkraft, damit Finnland unabhängig bleibt. (Quelle: taz, 6. Februar 2008)
Mit ähnlichen Charmeoffensiven versucht auch unsere Atommafia die öffentliche Meinung in Deutschland zu verändern und sie scheinen erfolgreich zu sein. Pro und Contra Atomstrom war in Deutschland in den letzten Jahrzehnten stets gleichauf. Die Formulierung in einer Meinungsumfrage war stets entscheidend, ob gerade mal 50-60 Prozent gegen Atomkraftwerke oder für Atomkraft waren.
Ich habe viele Ergebnisse solcher Meinungsumfragen gelesen und seitdem selbst prominente Politiker der Grünen keine entschiedenen Gegner der Atomkraft mehr sind, werden Mehrheiten gegen Atomkraft nur noch nach katastrophalen Meldungen festgestellt (zuletzt Dezember 2007: Signifikant höhere Leukämieraten in der Nachbarschaft der AKWs; Folgen von Niedrigstrahlung und angeblich ungefährlichen Pannen im Betrieb).
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Meanwhile, schöne Fotos aus Finnland von Mikael Rantalainen finden sich hier

Archiv 200710: Pilzsaison 2007

(ARCHIV: Blogeintrag vom 3. Oktober 2007)

Es ist jetzt bereits 22 Jahre her, dass ich zuletzt im Wald Pilze gesammelt habe. Das dies im Wendland geschah, hatte mit meinen damaligen politischen Aktivitäten gegen Atomkraft zu tun.
Dann kam der 26. April 1986 und die Katastrophe von Tschernobyl. Die Radionuklide Cäsium 137 und Kalium 40 wurden vom Wind verbreitet und regneten sich in vielen Regionen ab. Dabei wurden zum Beispiel im Süden von Bayern Bodenkontaminationen von 80.-120.000 Becquerel je Quadratmeter erreicht. Diese extrem hohen Belastungen sind Inseln, aber damals erfolgte eine großräumige radioaktive Verseuchung. 1986-88 wurde in den Medien noch pauschal vom Verzehr von Waldpilzen und Wildtieren gewarnt. Es ist seitdem relativ still geworden um die radioaktive Verseuchung von Lebensmitteln.
Das Bundesamt für Strahlenschutz hat aktuell einen Bericht über Radioaktive Kontamination von Speisepilzen veröffentlicht. Danach nimmt der Durchschnittsverbraucher in Deutschland jedes Jahr etwa 100 Bq Cs-137 auf. Die aktuellen Messwerte für Speisepilze, die 2005 und 2006 vom Bundesamt erfasst wurden zeigen je nach Pilzart und Standort eine erhebliche Varianz. Es gibt aber Pilze die mit deutlich über 1.000 Bq Cs-137/kg belastet waren. Wer schon einmal Pilze gesammelt hat, weiß, dass nicht zwei oder drei Pilze gesammelt werden, sondern viele Kilo, die dann an den nächsten Abenden verzehrt werden. Die auch den meisten Laien bekannten Steinpilze waren fast überall mit 100 Bq Cs-137/kg belastet. Der Genuss der eigenen Pilzernte kann also selbst mit Steinpilzen zu einer Verdopplung der radioaktiven Jahresbelastung führen.
Ich habe seit 1985 weder Waldpilze gesammelt, noch Reh, Wildschwein oder ein anderes mitteleuropäisches Wild gegessen. Jede zusätzliche radioaktive Belastung kann vermieden werden.

Montag, Oktober 20, 2008

Radioaktiv verseuchtes Schafsfleisch aus Norwegen

Mehrmals im Jahr gibt es wissenschaftliche Notizen, die auf die Spätfolgen der radioaktiven Verseuchung durch die Atomkatastrophe Tschernobyl vor zwanzig Jahren verweisen. Cäsium-137 hat eine Halbwertzeit von etwas mehr als 30 Jahren, d.h. die während der Katastrophe emittierten radioaktiven Elemente, die sich regional in extrem unterschiedlicher Konzentration abgelagerten, haben sich bis heute gerade einmal auf etwa Zweidrittel der Ausgangsbelastung reduziert. In Deutschland gibt es in Bayern, Baden - Württemberg, Mecklenburg - Vorpommern und Sachsen - Anhalt Regionen, in denen der radioaktive Niederschlag alleine eine Cäsium-137 Vergiftung von mehr als 15.000 Becquerel/m² erreichte. Dies hat Auswirkungen alle Produkte dieser Regionen. Pilze und Wild aus diesen Regionen sollte nicht gegessen werden.
Deutschland ist dennoch relativ glimpflich davon gekommen. Die radioaktive Verseuchung in Belarus, der Ukraine, der Schwarzmeerküste der Türkei und einige Landstriche in Skandinavien sind viel stärker betroffen.
Die norwegische Strahlenschutzbehörde (Norwegian Radiation Protection Authority oder Statens strålevern) warnt aktuell vor dem Verzehr von Schaffleisch, dass mit bis zu 7.000 Becquerel Cäsium/kg verseucht ist. Dies hängt mit der großen Anzahl von Pilzen zusammen, die in diesem Jahr auf den Weiden zu finden waren. In "normalen" Jahren wird die Radioaktivität durch die Schafzüchter dadurch reduziert, dass im letzten Monat vor dem Schlachttermin nur noch Nahrung ohne Radioaktivität verfüttert wird und damit die Belastung unter den Grenzwert von 600 Becquerel/kg sinkt. (mehr hierzu auf den Seiten im New Scientist oder direkt auf den Seiten der NRPA)

Ich würde auch in einem normalen Jahr kein Schaffleisch aus einer radioaktiv belasteten Region essen. Das Problem ist nur, dass wir als Kunden oft zu spät erfahren, dass eine Charge z.B. durch Radioaktivität eigentlich als ungenießbar zu klassifizieren wäre.

29. Oktober 2006