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Freitag, Januar 03, 2014

Archiv: Facebook in Europa 2012

(Ein Blogbeitrag vom 20. April 2012) 

Nachtrag Sommer 2013. Nachdem in mehreren Ländern eine Facebook-Sättigung zu beobachten war, es also nur wenig Wachstum oder sogar zu einer Abnahme der Zahl der Facebook-Konten kam, war die Statistik bei Socialbakers nicht mehr zu sehen. Damit hat sich meine Daten-Quelle geschlossen und diese Momentaufnahme aus dem Frühjahr 2012 ist, wenn auch nicht geplant, mein vorläufig letzter Beitrag zu diesem Thema. 
Ein allerletzter Beitrag findet sich im aktuellen Blog!

Facebook hat unter den verschieden sozialen Netzwerken die größte Anzahl von Nutzern. Im April 2012 waren weltweit bei Facebook 839 Millionen Konten registriert. Diese Mitglieder sind nicht identisch mit der gleichen Zahl von Personen, da jeder schon davon gehört hat, dass einzelne Personen mehr als ein Konto bei Facebook führen.
Die Zahlen der "User" von Facebook werden regelmäßig auf der Social Media-Seite von socialbakers.com veröffentlicht. Dies auch meine Quelle für die folgende Darstellung.

Ich setze die Zahl der Facebook-Konten in Beziehung zur aktuellen Einwohnerzahl.
Facebook hat so etwas wie eine Sättigungsgrenze. Bei den Flächenstaaten liegt diese seit nunmehr zwei Jahren bei 500 Konten je 1.000 Einwohner. Ein Wert, der in der USA, Chile, Neuseeland, Australien und in Europa in Norwegen und Dänemark erreicht wurde.
In Europa (ohne Russland aber mit der Türkei) sind 225 Millionen Facebook-Konten registriert. Bei einer Einwohnerzahl von 669 Millionen ergibt dies eine Quote von 357.

Facebook in Europe, Gesichterbuch, Europakarte 2012, Facebookqoute, Sättigungsgrenze

In absoluten Zahlen sind in der Türkei (30,9 Millionen), Großbritannien (30,6 Mio.), Frankreich (24,2 Mio.), Deutschland (23,4 Mio.), Italien (21,6 Mio.) und Spanien (16,3 Mio.) die meisten Konten registriert.
In relativen Werten haben von den größeren Staaten mit mehr als 3 Millionen Einwohnern Norwegen (527 Konten je 1.000 Einwohner = Quote), Dänemark (Quote 520), Großbritannien (Quote 495), Schweden (Quote 492) und Irland (Quote 433) die meisten Facebookkonten. Auffällig ist hier Deutschland mit einer Quote von 286, die zum Beispiel in Nordafrika von Tunesien mit 289 übertroffen wird. In Deutschland gibt es verschiedene andere sehr erfolgreiche soziale Netzwerke, wie wer-kennt-wen mit 9,6 Millionen Konten, SchülerVZ/StudiVZ mit zusammen etwa 7 Millionen Konten. Oder in den Niederlanden gibt es neben den 6,4 Mio. Facebook-Konten weitere mehr als 10 Millionen Konten bei hyves.nl. Ähnliches gilt für Spanien, wo tuenti.com in Konkurrenz zu Facebook steht.

Ich habe in den letzten Jahren bereits mehrmals Karten zur Verbreitung und zur Ausbreitung von Facebook hier im Blog veröffentlicht. In den letzten 12 Monaten gab es das folgende Wachstum:
Karte, map, carte, Europa, Europe, Facebook accounts, Facebook growth, Facebookkonten, Sättigungsgrenze In Europa wurden 29,3 Millionen neue Facebook-Konten registriert. Dies entspricht einem Wachstum von 15%. Ausgehende von diesem Durchschnittswert habe ich für alle Länder dargestellt, wie deren Wachstum im Verhältnis hierzu ist. Also in welchen Ländern, das Wachstum weniger als die Hälfte betrug (gelb), denen die ein leicht unterdurchschnittliches Wachstum (orange) oder leicht überdurchschnittliches Wachstum (lila) sowie zwei Kategorien für deutlich überdurchschnittliches Wachstum.
In den früheren Beiträgen ging es noch um deutlich höhere Wachstumszahlen.
Die Karte zeigt zwei Tendenzen. Zum einen, die bereits erwähnte Sättigung der maximalen Zahl von Facebookkonten und einen starken Wachstum in den Ländern, in denen Facebook bisher (relativ) schwach vertreten ist.
Deutschland verzeichnet das absolut höchste Wachstum mit 5,5 Mio. neuen Facebook-Konten in Jahresfrist. Es folgen die Türkei (+3,4 Mio.), Spanien, Frankreich und Polen mit jeweils +2,4 Mio., sowie Italien (+2,3 Mio.), die Niederlande (+2,2 Mio.) und Rumänien (+1,5 Mio.).
Bemerkenswert ist dabei Albanien, wo die Zahl der Facebookkonten innerhalb Jahresfrist um 100.000 abnahm. Ob die früheren Zahlen zu optimistisch oder fehlerhaft waren oder ob es tatsächlich zu einer Abwendung von Facebook gekommen ist, ist nicht bekannt.

Archiv: Facebook in Europa 2011

(Ein Blogbeitrag vom 4. Januar 2011 mit Updates vom 13. Februar, 5. April und 3. November 2011)

Meine Faszination für das rasante weltweite Wachstum des Facebook-Netzes wird seit einigen Monaten durch die Dienste von Socialbakers (Ex Facebakers) genährt. Die dort zur Verfügung gestellten Zahlen für Europa (und für Afrika) habe ich in den Vormonaten in thematischen Karten dargestellt.
Es ist Zeit für einen erneuten Blick auf die Entwicklung der Zahl der Facebook-Konten.


Die folgende Karte zeigt die Zahl der Facebook-Konten im Verhältnis zur Einwohnerzahl.
In Norwegen und Island sind theoretisch mehr als 50% der Bevölkerung bei Facebook zu finden. Ich schreibe theoretisch, da mir selbst einige Doppelkonten einzelner Personen bekannt sind. Ansonsten gibt es in Großbritannien, Irland, Zypern, Schweden und Dänemark noch deutlich überdurchschnittlich viele Facebook-Konten. Am anderen Ende der Skala liegen Lettland, Moldawien, Belarus und die Ukraine. Auch in der Nachbarschaft (Marokko, Algerien, Russland) ist Facebook noch nicht sehr weit verbreitet. Deutschland ist weithin unterdurchschnittlich, da hier bei uns StudiVZ etwa 17 Millionen Konten/Kunden hat. Es sollte auch berücksichtigt werden, dass in der Niederlande (Hyves), Rumänien (hi5), Spanien (Tuenti) und Ungarn (iWiW) andere virtuelle soziale Netzwerke sehr erfolgreich sind.

Ich habe die von Socialbakers zur Verfügung gestellte Statistik erstmals am 3. Oktober 2010 in einer Karte dargestellt. Seitdem hat sich die Zahl der Facebook-Konten in Europa um 16,4 Millionen auf nunmehr 174,4 Millionen Konten erhöht. Dies entspricht theoretisch 262 Konten je 1.000 Einwohner.
Die zweite Karte zeigt das Wachstum in den letzten drei Monaten. Für ganz Europa gibt es ein Wachstum von 10 Prozent. Luxemburg hat als einziges Land ein Prozent weniger Facebook-Konten als vor drei Monaten. Länder mit sehr vielen Facebook-Konten stagnieren und haben scheinbar ein Sättigungsgrenze erreicht. Umgekehrt ist die größte Zunahme in den Ländern, die bisher relativ wenige Konten haben. Deutschland hat absolut den größten Zuwachs mit 2,8 Millionen neuen Konten. Dies entspricht einer Zunahme von 25 Prozent. Doch zum Vergleich sei darauf verweisen, dass in den neben Europa liegenden Russland sich in diesen drei Monaten die Zahl der Facebook-Konten mehr als verdoppelt hat.

Update vom 13. Februar 2011
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Seit dem Beginn des Jahres ist Facebook in Europa um weitere 5,8 Millionen Konten gewachsen. Davon stammen 1,7 Millionen Konten aus der Türkei und 1,2 Millionen aus Deutschland. Die Zahl der britischen Konten sank dagegen um 900.000. Doch ist eine Abnahme von einem sehr hohen Niveau (460 Konten je 1.000 Einwohner; dagegen Deutschland 184 Konten je 1.000 Einwohner). Die Karte zeigt nur wenige Änderungen: Portugal, die Slowakei, Zypern, Lettland, Montenegro und Tunesien sind eine Farbstufe höher gestiegen. Die Kleinstterritorien (Guernsey, Jersey, Aland, Vatikan) wurden neu bewertet und verloren damit mehr als 90% ihrer gemeldeten Konten.

Update vom 5. April 2011
Facebook in Europa, April 2011, Facebook aktuell, Facebook-Mitglieder, Facebook Europe, Facebook Members, Facebook Accounts, Facebook-Konten
In den letzten zwei Monaten gab es einige Änderungen. Deutschland, Tschechien, Ungarn, Dänemark, Österreich und Kroatien, um nur die Staaten mit mehr als einer Million Facebook-Konten zu nennen, sind jeweils eine Kategorie aufgestiegen. Wie auch in den vorherigen Darstellungen und Ausführungen ist eine Sättigung bei den skandinavischen Staaten festzustellen.

Dies dokumentiert auch die zweite Abbildung, welche den Zuwachs an neuen Facebookkonten zwischen dem 3. Januar und 5. April zeigt.
Facebook in Europa, April 2011, Facebook aktuell, Facebook-Wachstum, Growth, Facebook-Mitglieder, Facebook Europe, Facebook Members, Facebook Accounts, Facebook-Konten
Für ganz Europa gab es einen Zuwachs um 21,75 Millionen Konten auf nunmehr fast 200 Millionen. Der größte Zuwachs erfolgt weiterhin im Osten, doch nun bereits auf relativ hohen Niveau. In Rumänien wuchs die Zahl der Konten um 41%, entsprechend 900.000 auf nunmehr 3,1 Millionen. Doch der absolut größte Zuwachs findet in Deutschland statt. Mehr als 4 Millionen neue Facebookkonten wurden hier gezählt. Island ist der einzige Staat, der weniger Mitglieder hat. Doch die Facebookquote liegt dort weiterhin bei mehr als 600 Konten je 1.000 Einwohner. Ein Wert den sonst nur noch Zypern erreicht.

In der Peripherie zeigt Russland eine Abschwächung in seinem Wachstum und hat erst 31 Konten je 1.000 Einwohner. Die Presse behauptet, dass die Protestbewegung in den arabischen Ländern, also auch in Nordafrika, stark von der Kommunikation via Facebook beeinflusst ist (siehe hierzu auch meinen Beitrag Facebook in Afrika 2011). Die drei dargestellten Länder zeigten ein Wachstum von knapp 30 bis 40%. Im nicht dargestellten Libyen sank die Zahl der Konten um 72%, was sich vermutlich aus einer Kombination des Krieges im Osten und der Unterdrückung und Kontrolle in den von Gaddafi kontrollierten Westen zusammensetzt.
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Update vom 3. November 2011
Das Facebook-Netzwerk wächst weiter, aber in Europa nur noch langsam. Es scheint in vielen Ländern eine Sättigung erreicht zu sein. Am 3. Novemberi gab es 214 Millionen Facebookkonten mit einer europäischen Kennung. Die meisten Konten gab es in der Türkei und Großbritannien (mehr als 30 Millionen) sowie in Frankreich, Deutschland und Italien (20-23 Millionen).
Dies ist seit Jahresbeginn ein Zuwachs von 39,7 Millionen oder 23 Prozent.
Facebook in Europa, November 2011, Facebook aktuell, Facebook-Quote, Sättigung, Penetration, Growth, Facebook-Mitglieder, Facebook Europe, Facebook Members, Facebook Accounts, Facebook-Konten
Dargestellt ist die Facebook-Quote, also die Zahl der Konten in einem Land je 1.000 Einwohner. Eine Sättigung ist in den skandinavischen Ländern und Großbritannien festzustellen. Von den Ländern mit einer großen Bevölkerung sind nur Deutschland, Rumänien und Polen unter der Quote von 321 Konten je 1.000 Einwohner. Diese Länder haben entsprechend noch ein großes Wachstumspotential.
Die genannten Länder haben seit Jahresbeginn einen Wachstum der Zahl der Facebook-Konten von mehr als 44 Prozent  erlebt. Ein Wachstums wie es sonst nur in Osteuropa und in Nordafrika zu beobachten ist.

In absoluten Zahlen ist der Zuwachs seit Jahresbeginn vor allem in Deutschland (plus 7,7 Millionen) und der Türkei (plus 6,3 Millionen), sowie Spanien (plus 3,2 Millionen), Italien (2,8 Millionen) und Frankreich (2,7 Millionen) bemerkenswert.

Archiv: Facebook in Europa 2010

(Ein Blogbeitrag vom 3. Oktober 2010 mit einem Update vom 25. November 2010)

Vor zweieinhalb Jahren habe ich mal versucht den Wachstum von Facebook in Europa darzustellen. Dazu hatte ich auf der Facebookseite die regionalen Daten ausgelesen. Diese Möglichkeit wurde dann von Facebook gesperrt und damit war das kleine Projekt beendet.
www.socialbakers.com zeigt nun eine wöchentliche Statistik der über 200 Internetterritorien (212 so genannte "countries", inklusive Gibraltar, Guernsey, Grönland und andere regionale Einheiten mit eigener ccTLD-Kennung).
Ich habe die europäischen Daten verwendet und in einer Karte dargestellt.
Seit 2008 hat sich viel verändert. Es gibt weiterhin weiße Flächen, die mit autokratischen Strukturen (Belarus, Russland, Marokko, Algerien) oder konkurrierenden sozialen Netzen (Rumänien) erklärten werden können. Doch die Zahl der weißen Flächen, die 2008 noch ganz Osteuropa, Italien und Portugal umfasste, ist wesentlich kleiner. In Europa (ohne Russland) gibt es durchschnittlich 237 Facebook-Nutzer je 1.000 Einwohner.
Die relativ geringe Anzahl von Facebook-Nutzern in Deutschland und der Niederlande hat etwas mit den vielen anderen Netzwerken zu tun. Der Klon StudiVZ ist in Deutschland erheblich erfolgreicher als Facebook.
Die höchsten relativen Werte finden sich in Skandinavien und den britischen Inseln. Seit 2008 haben sich die absoluten Zahlen der Facebook-Nutzer verzehnfacht, doch die Länder mit der höchsten Quote sind gleich geblieben.
Update 25.11.2010
Das Facebook-Netzwerk expandiert weiterhin mit großer Geschwindigkeit. Socialbakers hat seit Anfang Oktober 2010 14 Millionen neue Facebook-Mitglieder für Europa ausgewiesen (+8,9%). Einen besonders großen relativen Zuwachs verzeichnen die "weißen" Staaten. Russland hat einen Zuwachs von 84%, aber auch in Belarus (+72%), Ukraine (+63%) und Rumänien (+23%) wächst das Facebook. In Deutschland gab es in dem Zeitraum mehr als 2 Millionen neue Facebook-Konten (+20%), aber das Land ist weiterhin weit vom Durchschnittswert für Europa entfernt. Das Wachstum in Polen, der Niederlande und in Ungarn führte diese Länder in eine farblich andere Gruppe.
Einige Staaten scheinen einen relativen Sättigungsgrad erreicht zu haben. Für Norwegen, Großbritannien, Frankreich und Türkei gibt es nur geringe (positive) Veränderungen bei der Zahl der Facebook-Nutzer.

Archiv: Facebook in Europa 2008

(Ein Blogbeitrag vom 11. Mai 2008) 

Facebook begann im Februar 2004 als eine Idee an der Harvard University und hat nun weltweit mehr als 70 Millionen aktive Nutzer und ist damit nach MySpace der zweitgrößte Service. Als virtuelles so genanntes soziales Netzwerk sind die Mehrzahl der Mitglieder in den USA, Canada und Großbritannien zu finden.

Als Statistik-Fan fragte ich mich bereits kurz nach meinen Beitritt im Herbst des letzten Jahres, wo in Europa dieses Netzwerk stark ist.
Jedes Mitglied kann sich einem regionalen Netzwerk zuordnen. Dies muss nicht das Netzwerk sein, wo die Person lebt. Mein Netzwerk ist zum Beispiel nicht Germany. Aber dennoch gaben diese Zahlen der verschiedenen Netzwerke einen ungefähren Überblick über die Verbreitung von Facebook in Europa.

In den europäischen Netzwerken sind 15.441.640 Mitglieder verzeichnet (Stand 11. Mai 2008)

Die TopFive für Europa sind
  • 1. Großbritannien 6.674.662
  • 2. Türkei 1.876.290
  • 3. Frankreich 1.376.275
  • 4. Schweden 853.447
  • 5. Norwegen 556.088
Mit den beiden skandinavischen Ländern sind auch zwei relativ kleine Staaten dabei. Wenn die Zahl der Facebook-Mitglieder in Relation zur Einwohnerzahl der Staaten gesetzt wird, dann ergibt sich das folgenden Bild:
In ganz Europa sind 24 von jeweils 1.000 Einwohnern bei Facebook. Das einige Länder deutlich von diesem Durchschnitt abweichen, hat natürlich etwas mit den regionalen Präferenzen zu tun. Hi5 ist zum Beispiel das bevorzugte virtuelle Netz in Portugal und Rumänien und hier Deutschland ist es StudiVZ und seine Klone.In Großbritannien und Norwegen sind mehr als 10 Prozent Bevölkerung alleine bei Facebook registriert.

Was mich von Anfang an faszinierte, war, dass das Netzwerk von Facebook mit phänomenaler Geschwindigkeit wächst. Im Oktober 2007 habe erstmals die Mitgliederzahl aller regionalen Gruppen in Europa notiert. Heute habe ich ein Update vorgenommen.

Für ganz Europa gab es in diesen sieben Monaten ein Wachstum von 150 Prozent. Bemerkenswert ist nicht, dass vier aus der oben genannten TopFive einen geringeren Wachstum als der Gesamtdurchschnitt hat, sondern, dass die Mitgliedszahl in Frankreich um mehr als 500 Prozent gewachsen ist. Der überdurchschnittliche Wachstum in Deutschland (+248%) hängt wahrscheinlich mit der Kritik an StudiVZ zusammen.

Noch ist der Datenschutz bei Facebook besser als bei StudiVZ. Doch leider musste ich nun bei Heise online lesen, dass Microsoft versucht, wirtschaftlichen Einfluss zu gewinnen. Dies endete bis stets damit, dass ein Unternehmen von dem Moloch aus Redmond geschluckt wurde.

Samstag, Juli 13, 2013

Archiv - Essays zu Europa

(Ein Beitrag aus meinem aktuellen Blog vom 15. April 2012, der hier archiviert wurde)

Der schottische Journalist (und Historiker) Neal Ascherson hat mal wieder einen unterhaltsamen Essay über Europa geschrieben.
"Europa als Mythos und Fischreuse - Kleine Geschichte eines schwer definierbaren Kontinents" LE MONDE diplomatique, Deutsche Ausgabe vom August 2012 (Verknüpfung)
Ich möchte es vor allem meinen europäischen Freunden ans Herz legen. Denn sein Stil ist nicht nur unterhaltsam, sondern seine gewählten Beispiele sind ungewöhnlich. Diesmal behandelt er: die Anderen, Europas Grenzen, die Tschechische Republik und europäische Identität über imaginäre gemeinsame ethnische Ursprünge.
Es geht mal wieder um die Frage, was ist Europa, wo endet Europa, wer sind denn nun die Europäer.

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Der österreichische Publizist Robert Misik sieht die Krise in Europa und um den EURO als Chance für eine große Reform. Unter den Titel "Weil Europa großartig ist" (taz, 28. Juni 2012) verweist er auf die Lebenserfahrung der EU-Bürgerinnen und Bürger der letzten zwanzig Jahre und die Gefahren, Voraussetzungen und Chancen für die nächsten Jahre. Es mag pathetisch klingen, aber sein Appell an die Regierenden vor den EU-Gipfel "Aber vergesst doch nicht, dass es um Europa geht!" spricht mir aus der Seele.

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Von Neal Ascherson ist in der LE MONDE diplomatique April 2012 ein langer Essay unter dem Titel "Das große und kleine Glück Europas" erschienen (Verknüpfung). Dieser Essay liegt auf der Seite auch als Podcast vor.
Ascherson schreibt mit Beispielen und Anekdoten über die Geschichte der Ideen von Europa und der Schaffung von Mythen über die Anfänge und Ziele des Staatenverbundes, der heute EU heißt.
Dies ist die Übersetzung des Essays "Memories of Amikejo", der am 22. März 2012 im London Review of Books Vol. 34, No. 6 (Verknüpfung) erschien.
Hier gibt es als podcast einen einstündigen Vortrag von Neal Ascherson diesen Text mit weiteren Beispielen und Anekdoten.
Leider hat die deutsche Übersetzung nicht die notwendigen Absätze und Zwischenüberschriften, die einem den Zugang erleichtern. Im Original-Vortrag ist diese Gliederung zu hören und vor allem auch der Humor von Neal Ascherson. Im Text wird nicht deutlich, wann er einen Scherz oder eine auflockernde, lustige Anekdote einbaut.

Im Essay und den Fußnoten wird u.a. auf das folgende Buch verwiesen:
Perry Anderson (2009) "The New Old World", London: Verso
Eine Besprechung des Buches kann im Guardian (Verknüpfung) gefunden werden.

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Ich wurde von einer Alumna des Europa-Kollegs auf den Text "Ende der Flitterwochen: Europa jenseits des Marktes" hingewiesen. Floris de Witte, PhD Student London School of Economics, Department of Law und Moritz Hartmann, Doktorand Universität der Künste Berlin schreiben dort darüber, dass die jungen Europäer ihre Stimme erheben sollen und eine neue Geschichte Europas formulieren und einfordern sollten.
Der Text wurde Ende Februar 2012 im Facebook (Verknüpfung) einer potentiell großen Öffentlichkeit vorgestellt und es wurde darum gebeten, dass der Text in möglichst vielen europäischen Sprachen erscheinen sollte, um eine Diskussion anzuregen. Die erwähnte Alumna hat zum Beispiel den Text ins Rumänische übersetzt.
Im Facebook und auf tumblr.com (Verknüpfung) liegt der Text aktuell bereits in БЪЛГАРСКИ - ČESKÝ - DEUTSCH - ENGLISH - ESPAÑOL - FRANÇAIS - HRVATSKI - ITALIANO - NEDERLANDS - PORTUGUÊS - ROMÂNĂ vor

Leider wurde dieser Text scheinbar bisher wenig zur Kenntnis genommen, wenn ich mir die Zahl der "Gefällt mir"-Angaben und der Kommentare bzw. Eintragungen in der Rubrik Petition auf der tumblr.-Seite. Der Text hatte einige anregende Ansätze.

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Weitere aktuelle Blogbeiträge zu Europa oder europäischen Themen mit Verknüpfungen zu Artikeln und Dokumenten:

Freitag, Juli 12, 2013

Archiv - Ungarn muss nicht in der EU bleiben

(Ein Beitrag aus meinem aktuellen Blog vom 23. Januar 2012, der hier archiviert wurde)

Die rechtskonservative Regierung in Budapest, die von mehr als Zweidrittel der Bevölkerung gewählt wurde, ist doppelzüngig. Vor dem Europa-Parlament wird behauptet, dass die kritisierten Passagen in der Verfassung und in den neuen Mediengesetzen unbedeutend sind und deshalb auch ohne Probleme geändert werden können. In Ungarn heißt es dann, die EU zwinge das souveräne Ungarn zu Änderungen.
Die Solidarität mit der ungarischen Regierung und ihren Bemühungen Kritiker zum Schweigen zu bringen ist erschreckend. Das Wahlergebnis war kein Zufall oder die Folge einer Kampagne. Die Mehrheit der Ungarn möchte scheinbar eine autoritäre Regierung.
Dazu fällt mir nur ein Hinweis ein: Der Lissabon-Vertrag der EU
50. cikk
(1) Saját alkotmányos követelményeivel összhangban a tagállamok bármelyike úgy határozhat, hogy kilép az Unióból. (Quelle: Server der EU - Lissabon-Vertrag - Ungarisch)
Dasselbe in der deutschen Fassung:
Artikel 50
(1) Jeder Mitgliedstaat kann im Einklang mit seinen verfassungsrechtlichen Vorschriften beschließen, aus der Union auszutreten. (Quelle: Server der EU - Lissabon-Vertrag - Deutsch)
und Tschüss!
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Tipp: Ein aktueller Artikel in der LE MONDE diplomatique (10.02.2012) zur Entwicklung in Ungarn von Gáspár Miklós Tamás.

Donnerstag, November 29, 2012

Archiv 201203: taz.akademie Unser Europa

(Archivierter Beitrag vom 13. März 2012)

... und wieder fand eine taz.akademie in Berlin statt und diesmal sogar zu einem mir sehr wichtiger Thema. Vor Jahr und Tag hat schon einmal ein Alumni des Europa-Kolleg an der taz.akademie teilgenommen und das sich zu dieser aktuellen Fortbildung keiner aus dem Alumni-Netzwerk beworben hat, wundert mich schon.

Es geht unter anderen um die Frage der europäischen Identität und wie ein Europa, dass über die EU hinausgeht, mit Inhalt und Leben gefüllt wird um sich endlich von dem elitären Projekt der europäischen, politischen Elite zu emanzipieren.
Denn dies ist eines der Probleme. Solange Europa als ein Projekt "der da oben" verstanden und intellektuell erlitten wird, wird die Ausbreitung der europäischen Idee vor allem bei den Akademikern stattfinden, die im Studium, Projekten und Praktika über ihren Tellerrand schauen (müssen).

Die Teilnehmenden an der 11. taz Panther Workshop habe bunte Biographien, aber keiner stammt aus einen anderen Land und ist für Ausbildung oder Beruf ins Land gekommen. Da wären mit einem Alumni des Europa-Kollegs noch ganz andere Perspektiven eingeflossen. Dies ist keine Kritik an der taz.akademie.

Die Teilnehmerin Carola Harather hat in den taz-Sonderseiten treffend einen Ansatz formuliert, dem ich voll und ganz zustimme:
"Daher sollten wir sagen: Ich bin Europäerin, ich bin Europäer, denn dann handele ich als EuropäerIn. So entsteht ein Europa. Und so entsteht eine Vorstellung von einem Europa, zu dem jede Nation ihren Teil beiträgt. Ob Mann, ob Frau oder Kind - sie alle sind Europa. Durch ihr Handeln entsteht unser Europa."
(Quelle: Titelseite des 11. taz workshops)

Freitag, Oktober 12, 2012

Archiv: Europawahlen in Hannover-Niedersachsen-Deutschland

(Ein Blogbeitrag vom 10. Juni 2009)

Die Europawahlen 2009 waren ernüchternd, hatten aber auch einige positive Ergebnisse, die in der Berichterstattung zu kurz gekommen sind.

Der Grundton der Zeitungen am Montag und Dienstag nach den Wahlen war: Niedrige Wahlbeteiligung – Stagnation der Linken – Niederlage der SPD – bürgerliche Mehrheit bestätigt.

Haben die Journalisten andere Wahlen beobachtet? Alle vier Schlagzeilen möchte ich im Folgenden auf den Kopf stellen oder eigentlich vom Kopf auf die Füße stellen.

Zunächst ein Blick auf die offiziellen Zahlen, die auf der Seite des Bundeswahlleiters zu finden sind. Ich vergleiche im Folgenden die Zahlen von Hannover mit Niedersachsen und Deutschland.

Die Zahl der Wahlberechtigten und der Wählenden hat zugenommen. Die ungültigen Stimmen, die auch die bewussten Enthaltungen (leere oder durchgestrichene Wahlzettel) enthalten, haben abgenommen. Entsprechend ist die Zahl der gültigen Stimmen, die Grundlage der in den Medien dargestellten prozentualen Angaben sind, auch gestiegen.
Also

1. Es gab keine niedrigere Wahlbeteiligung!
Und wer waren nun die Gewinner und die Verlierer?
Pauschal kann gesagt werden, dass die kleinen unter den etablierten Parteien die Gewinner und die ehemaligen so genannten Volksparteien die Verlierer sind. Klarer Verlierer ist die CDU, die sowohl in Stadt und Land jeweils 12 Prozent ihrer Wähler und bundesweit (ohne Bayern) sogar 14 Prozent verlor. Die Schwesterpartei CSU verlor übrigens nur 8 Prozent. Die Medien hatten mal wieder eine Phantomdebatte geführt, die darüber spekulierte, ob die CSU in Bayern so viele Stimmen verlieren würde, dass sie damit bundesweit an der 5 Prozent-Hürde scheitern würde. Die CSU hätte 38% ihrer Stimmen verlieren müssen, damit dies passiert.
Für die SPD gab es Verluste in Hannover (-0,3%) und auf der Bundesebene (-1,4%), doch in Niedersachsen wählten 0,3% mehr Menschen die SPD als vor fünf Jahren.



2. Herbe Niederlage der CDU, weitere geringe Verluste der SPD!
Der große Gewinner war die FDP, die 84 Prozent mehr Wählerstimmen bundesweit auf sich vereinigen konnte als 2004. Im Land Niedersachsen waren dies 66 Prozent mehr und in Hannover immer noch 612 Prozent mehr. Doch dieser Zuwachs brachte nur näher an die Grünen.
Denn die Grünen wuchsen auch und blieben damit drittstärkste Partei in Deutschland, Niederachsen und Hannover. In der Großstadt ist das Potenzial ausgereizt. Der Zuwachs betrug nur noch 0,3 Prozent, Im Land waren es 5,3 Prozent und auf Bundesebene 3,7 Prozent.
Die Linke hat sich fünfte parlamentarische Kraft trotz der Polemik der Medien etabliert. Auf Bundesebene wuchs die Zustimmung zu dieser Partei um 24,7 Prozent und in Niedersachsen sogar um 129,6 Prozent, in Hannover waren es auch noch immer 106,4 Prozent.

3. Die Zustimmung zur Linken wächst!
Auf Bundesebene haben CDU-CSU-FDP zusammen 12.854.091 Stimmen auf sich vereinigt, dies sind 188.237 oder 1,4 Prozent weniger Stimmen als 2004. dagegen haben SPD-GRÜNE-LINKE zusammen 10.633.849 Stimmen auf sich vereinigt, was 427.041 oder 4,2 Prozent mehr als 2004 sind.
4. Die bürgerliche Mehrheit schmilzt zugunsten einer linken Mehrheit
Da nur diese genannten sechs Parteien, die weniger als 90 Prozent der gültigen Stimmen auf sich vereinigten, an der Verteilung der Sitze zum Europäischen Parlament berücksichtigt werden, reduzierte sich das bürgerliche Lager von 56,1% auf 54,7% und entsprechend wuchs die Gegenseite von 43,9% auf 45,3%.

Wie eben schon angedeutet, entfielen 10,8% der Stimmen auf andere Parteien.


Diese Gruppe der „übrigen Parteien“ wuchs in Hannover um 7, in Niedersachsen um 9 und im Bund um 12 Prozent. Dies waren nicht die etablierten kleinen Parteien, die bereits 2004 und früher kandidierten. Sowohl die konservative ÖDP, wie die rechtsradikalen Republikaner als auch die obskuren Tier- und Familienschützer, alle vereinigten sie wenigen Stimmen auf sich als noch vor fünf Jahren. Der Zuwachs stammt vor allem aus den Parteien, den Freien Wählern, der Rentnerpartei oder der Internetpartei „Piraten“. Besonders erfreulich ist, dass auf Bundesebene die rechten Republikaner mehr Stimmen verloren, als die neu kandidierende DVU gewann. Dies gilt leider nicht für das Land Niedersachsen und Hannover. In Niedersachsen hat die Kombination von Republikanern und DVU 1.618 Stimmen Zuwachs und davon in Hannover alleine 946 Stimmen Zuwachs. Dies waren dann nur 1,1 Prozent aber das sind für Hannover deutlich mehr als erwartet.

Mittwoch, Oktober 10, 2012

Archiv: Zu Europas Verfassung

(Ein gekürzter Blogbeitrag vom 16. April 2007)  

In der laufenden deutschen EU-Präsidentschaft soll der Prozess der Ratifizierung einer Verfassung für Europa wieder angestoßen werden.

Zur Erinnerung:
Im Jahre 2003 legte ein durch keine direkte Wahlen legitimierter Konvent zur Zukunft Europas unter dem Vorsitz von Valéry Giscard d'Estaing seinen Vertrag über eine Verfassung für Europa vor. Nach mehreren Gesprächsrunden auf Regierungsebene, die zu vielen Änderungen führten, wurde am 29. Oktober in Rom die Verfassung mit ihren 418 Artikeln von den Regierungschefs unterschrieben. Zur Text des Vertrages über eine Verfassung für Europa (so der offizielle Titel) gehören auch 36 Protokolle und 50 Erklärungen, die nationale Sonderbestimmungen und -rechte aufführen. Dieser Gesamttext wurde am 16. Dezember 2004 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht und damit begann offiziell der Prozess der Ratifizierung.

In der Regel erfolgte dies durch einen Beschluss in den verschiedenen repräsentativen, parlamentarischen Institutionen. Entsprechend erhielt die Verfassung Zustimmungsraten von 77 (Litauen) bis 89 (Griechenland) Prozent der Abgeordneten. Spanien, Frankreich, Niederlande und Luxemburg stellten die Verfassung in einer konsultativen Volksabstimmung zur Wahl. Bis Mitte 2005 wollte die Mehrzahl der EU-Staaten den Ratifizierungsprozess abschließen.
In Spanien stimmten am 20. Februar 2005 77 Prozent für die Verfassung. Die hieraus resultierende Euphorie erhielt im Mai einen Dämpfer, als deutlich wurde, dass die Volksabstimmung in Frankreich sehr knapp ausgehen würde. Alle etablierten Parteien in Paris beteiligten sich an einer Kampagne für die Zustimmung zur Verfassung. Dennoch stimmten am 29. Mai 2005 55 Prozent gegen die Verfassung. Nur zwei Tage später fand in den Niederlanden die Volksabstimmung statt und beflügelt vom französischen Ergebnis gegen das politische Establishment stimmten bei hoher Wahlbeteiligung 62 Prozent gegen die Verfassung. Nach diesen Schock für die politische Elite Europas wurden nur noch die laufenden Prozesse abgeschlossen. Die Parlamente in Lettland, Zypern, Malta, Estland, Deutschland und Finnland ratifizierten den Vertragstext und in Luxemburg stimmten 57 Prozent der Bevölkerung in einem Referendum dem Verfassungsvertrag zu.

Der Prozess der Ratifizierung in Dänemark, Großbritannien, Irland, Polen, Portugal, Schweden und Tschechien wurde unterbrochen und seitdem nicht mehr aufgenommen. Bulgarien und Rumänien mussten den Vertrag über eine Verfassung für Europa als Bestandteil der Beitrittsdokumente akzeptieren.

Seit mehr als einem Jahr wird nun diskutiert, wie der Prozess der Ratifizierung wieder belebt werden kann. Einige Regierungen, die den Text bereits ratifiziert haben, weigern sich grundsätzlich den vorliegenden Text noch einmal zu diskutieren und zum Beispiel die immer wieder kritisierten Passagen zur Militarisierung (Artikel 41) und zur neoliberalen Wirtschaftsweise (Artikel 177) zu entfernen oder neu zu formulieren. Ein anderer Vorschlag sieht vor, dass alle Staaten zunächst nur die Charta der Grundrechte der Union (Artikel 61 bis 114) ratifizieren.
Hierzu gibt es den konkreten Vorschlag, den Verfassungsvertrag oder Teile davon zur nächsten Wahl zum Europa-Parlament im Frühjahr 2009 in einem europäischen Referendum den Bürgern zur Abstimmung vorzulegen. Doch gibt es eine große Scheu der politischen Elite Europas , da Mehrheiten in einigen Ländern (Großbritannien) vermutlich grundsätzlich gegen jede EU-Akte stimmen werden und die konsequente Forderung nach einem Austritt aus der EU von keinem Politiker formuliert würde.

Der Text ist kostenlos in den Europäischen Informations-Zentren zu erhalten und vollständig in allen EU-Sprachen im Internet veröffentlicht. Rechts oben auf der Internetseite zur Verfassung muss einfach die Sprache angeklickt werden und schon erscheint das Inhaltsverzeichnis in der gewünschten Sprache (die letzten Links führen schon einmal zu drei Sprachen).

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PS: Wikipedia (deutsch) hat zur Europäischen Verfassung einen sehr ausführlichen Artikel


Freitag, März 12, 2010

Archiv 200710: Großbritannien, Polen und die EU

(ARCHIV: Blogeintrag vom 20. Oktober 2007)

Die EU hat zwei Mitgliedsländer, die eigentlich kein Interesse an einer EU haben und im Fall von Großbritannien auch nur mitwirken, damit das Land in Europa nicht benachteiligt wird. Merkwürdig, beide Länder werden gerne polemisch als nicht nummerierte Staaten der USA (wie Puerto Rico) bezeichnet.

Es ist und bleibt ein Skandal, dass die Grundrechte der EU in Großbritannien und Polen nicht gelten. Dies wurde sogar in einem rechtsverbindlichen Protokoll festgeschrieben
Artikel 1
1. Die Charta bewirkt keine Ausweitung der Befugnis des Gerichtshofs der Europäischen Union
oder eines Gerichts Polens oder des Vereinigten Königreichs zur Feststellung, dass die Rechts- und
Verwaltungsvorschriften, die Gepflogenheiten oder das Handeln Polens oder des Vereinigten
Königreichs nicht mit den durch die Charta bekräftigten Grundrechten, Freiheiten und Grundsätzen
in Einklang stehen.
2. Insbesondere – und um jeden Zweifel auszuräumen – werden mit Titel IV der Charta keine für
Polen oder das Vereinigte Königreich geltenden einklagbaren Rechte geschaffen, soweit Polen bzw. das Vereinigte Königreich solche Rechte nicht in seinem nationalen Recht vorgesehen hat.
(Quelle: Protokoll Nr. 7)
Es gibt einen Artikel, der den freiwilligen Austritt aus der EU regelt. Ich wäre für einen Artikel, der den Ausschluss aus der EU erlaubt. Beide Länder verwehren ihren Bürger Freiheitsrechte und sind integraler Bestandteil der völkerrechtswidrigen Kampagnen der USA (Foltergefängnis der CIA in Polen; Folter und Mord im Irak)

Archiv 200710: Vertrag über die EU

(ARCHIV: Blogeintrag vom 20. Oktober 2007)

Ich bin überzeugter Europäer und verfolgte mit großem Interesse die Debatten um die Zukunft der Europäischen Union.


In den 90-er Jahren änderte die Zuckerproduktefirma MARS den Namen eines ihrer populären Produkte mit den Slogan „Raider heißt jetzt Twix, … sonst ändert sich nix". Die angestrebte EU-Verfassung heißt jetzt Vertrag über die Europäische Union, hat sich sonst etwas verändert?
Die Vertragsänderungen, wie sie in Lissabon verhandelt wurden, finden sich hier (Vertragsänderungen; Achtung sehr große Datei, immerhin 152 pdf-Seiten!) und hier (Protokolle) auf den Seiten der EU.

Die vielen Änderungen, die schließlich in Lissabon noch eingefügt wurden, finden sich hier. Die Texte werden kurz auf französisch vorgestellt und mit einem Klick auf die gewünschte Sprache öffnet sich ein pdf-Dokument.

Diese Dokumente beweisen leider nur eines. Die politisch-bürokratische Elite Europas hat keinen Bezug zur Lebenswirklichkeit ihrer Bürger. Diplomaten und Juristen haben ein wahrhaft unverdauliches Dokument angerührt.
Hier ein Beispiel:
Bevor der Rat einen Entwurf prüft, der entweder darauf abzielt, diesen Beschluss oder eine seiner Bestimmungen zu ändern oder aufzuheben, oder aber darauf abzielt, eine mittelbare Änderung seines Geltungsbereichs oder seiner Bedeutung zu bewirken, indem ein anderer Rechtsakt der Union geändert wird, führt der Europäische Rat vorab Beratungen über diesen Entwurf, wobei er gemäß Artikel 9 b Absatz 4 des Vertrags über die Europäische Union im Konsens entscheidet.
(Quelle)
Die EU-Elite hat außerdem große Angst vor ihren Bürgern. Es wird immer wieder betont, dass dies nun keine Verfassung ist und entsprechend die negativen Voten der Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden keinen weiteren Belang haben. Dänemark, Irland, Polen, Portugal, Tschechien und Großbritannien hatten ein Referendum über die Verfassung vorgesehen. Nun ist es keine Verfassung und entsprechend muss das Volk auch nicht konsultiert werden.
Der Vertrag soll zum 1. Januar 2009 in allen Staaten der EU ratifiziert sein. Diese Eile hat einen Hintergrund. Etwa im Mai 2009 finden die Wahlen zum Europäischen Parlament statt und bei einer späteren Ratifizierung gebe es keine Argumentationslogik, warum nicht im Rahmen der Wahlen auch über den Vertrag über die Europäische Union abgestimmt werden sollte.

Da die politisch interessierten Europäer nur eine verschwindende Minderheit der politisch interessierten in Europa ausmachen, sehe ich im Moment auch keine Möglichkeit, eine Volksabstimmung zu initiieren. Das von einigen prominenten Politikern aus mehreren Ländern unterstützte Projekt EU-Referendum (siehe hierzu auch meinen früheren Blogeintrag) hat innerhalb von einem halben Jahr gerade einmal 16.900 Stimmen in der gesammten EU gesammelt.

Donnerstag, Februar 05, 2009

Zwischenstand Verfassungsfrage

04.05.07
Die Frage nach einer möglichen Abstimmung über die europäische Verfassung ist bisher von erfreulich vielen Lesenden angewählt wurden. Immerhin 52 Personen haben direkt die Adresse der Seite mit meinen Erläuterungen gefunden. Da ich diese Frage bis zum Ende des Europa-Kollegs 2007 stehen lassen werde, möchte ich hier einmal einen Zwischenstand geben.
Mich wundert das Ergebnis. Nachdem zunächst eine satte Mehrheit von Kritikern eine Position angekreuzt haben, sind es zuletzt fast nur noch Befürworter des Verfassungsentwurfs und damit in der Summe nun auch 35% Zustimmung. 18% sind für die Charta der Grundrechte. 41% stimmten für einen neuen Konvent.
Der vorliegende Entwurf eines Vertrag über eine Verfassung für Europa wäre eine gute Grundlage für einen Konvent, der diesen Text auf eine der Zukunft zugewandten Verfassung kürzt.

Europa-Fokus

14.04.07
Die Europäische Union hat in allen Mitgliedsländern Informationszentren, in denen die wichtigsten Publikationen vorliegen und Ansprechpartner für Veranstaltungen vermittelt werden können. In Deutschland bietet jedes Bundesland diesen Service. Hier Hannover ist es das Europäische Informations-Zentrum Niedersachsen (=eiz) am Aegi und es ist eine Abteilung innerhalb der Staatskanzlei vom Ministerpräsidenten Christian Wulff.
Als Eigenpublikation wird etwa zweimal im Jahr der Europa-Fokus herausgegeben, der als
pdf-Datei herunter geladen werden kann oder im Abonnement per Post versandt wird.
Letzte Woche erschien das Heft 2006/2
Europa - woher, wohin? Werte und Finalität in der Europäischen Union. Hier werden Vorträge einer gleichnamigen Tagung, die am 11. November 2006 in Göttingen stattfand dokumentiert.
Eigentlich sollte das
eiz politisch neutral sein, aber nachdem die Landeszentrale für politische Bildung in Niedersachsen aufgelöst wurde, ist politische Bildung und Information auch immer ein Spiegelbild der Landesregierung Auf der Tagung sprachen Wissenschaftler (keine Frauen!), die eine konservative Interpretation des Titels pflegen. Dies steht natürlich im Zusammenhang mit den Ko-Organisatoren von der Europa-Union.

Prof. em. Dr. Manfred Landfester sprach über Die Griechen vom Mittelalter bis in die Moderne. Das Emeritus ist hierbei der wesentliche Titel dieses Alt-Philologen, denn einige seiner Formulierungen sind höflich ausgedrückt altbacken. Ein Beispiel: "Seitdem lebten die alten europäischen Griechen für beinahe 400 Jahre unter osmanischer Herrschaft, also in osmanischer "Gefangenschaft" (S.9). Die in Anführungszeichen gesetzte "Gefangenschaft" wird wenig später noch getoppt: "Natürlich verbanden sich mit den ideellen Motiven der Rettung bedrohter Literatur vor den osmanischen Kulturbarbaren auch ganz handfeste ökonomische Interessen." (S. 11, meine Betonung). Wurden hier einfach die Anführungsstriche vergessen.
Prof. em. Dr. Dr. h.c. János Gulya vertrat in seinem Vortrag Die Latinität und ihre politische Rolle die These das Europa im Mittelalter sprachlich lateinisch, sozial und in seiner Identität christlich war.
Dr. Heinrich Hoffschulte von der Europa-Union sprach über Das Fehlen eines Gottesbezuges im Verfassungsentwurf der Europäischen Union: Sieg der Aufklärung oder Vernachlässigung der eigenen Werte? Nur in vier der am Konvent für eine europäische Verfassung beteiligten Ländern gibt es einen Gottesbezug in der Verfassung: Griechenland, Irland, Polen und Deutschland! Hoffschulte fasst die Debatte zwischen laizistischen und christlichen Positionen zusammen und meint, dass der Verfassungsentwurf deutlich von einem christlichen Menschenbild geprägt ist. Ein ausdrücklicher Bezug in der Präambel deshalb nicht notwendig ist. Die Präambel beginnt übrigens mit "Schöpfend aus dem kulturellen, religiösen und humanistischen Erbe Europas, aus dem sich die unverletzlichen und unveräußerlichen Rechte des Menschen sowie Freiheit, Demokratie, Gleichheit und Rechtstaatslichkeit als universelle Werte entwickelt haben, (...)" (Onlineversion)
Der abschließende Vortrag von Prof. Dr. Heinz-Jürgen Axt Europa im Spannungsfeld zwischen Erweiterung und Vertiefung - Herausforderungen für die deutsche Ratspräsidentschaft 2007 thematisiert nicht nur die mögliche Erweiterung, sondern auch den zur Zeit ruhenden Ratifizierungsprozess der Verfassung für Europa.
Es war dieser Text, der mich motivierte hierzu eine neue Umfrage zu starten.

Montag, Oktober 20, 2008

Reise in den Osten Europas

Durch meine Arbeit habe ich viele junge Menschen aus dem östlichen Europa kennen und schätzen gelernt. Zu meiner Schande muss ich aber feststellen, dass mir viele Heimatländer der Teilnehmenden des Europa-Kollegs absolut fremd sind.
Im letzten Jahr wurde ein Teil dieser Fremde ein wenig vertrauter und die kurze Reise nach Finnland und Estland machte vor allem mehr Appetit. Mehr Appetit auf einen längeren Aufenthalt in den beiden Ländern und Appetit auf weitere europäische Länder.

Um Pfingsten und vor Heiligendamm möchte ich nun den Osten ansteuern. Diesmal mit den Bus und als kombinierte Städtetour nach Prag, Poprad, Bratislava, Budapest, Sibiu und Bukarest
in Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Rumänien.
15 Emails gingen gerade in die sechs Städte mit der großen Bitte mir eine Unterkunft zu vermitteln. Ich hoffe natürlich darauf, dass es nun familiäre Einladungen gibt wie bereits in Espoo und Tallinn oder für den August in Barcelona. Hotels und Jugendherbergen möchte ich als Unterkunft ausschließen. Ich brauche Orte, wo Menschen meines Vertrauens sind und ich mein Gepäck sorglos abstellen kann, um dann mit kleinem Rucksack, Kamera und hoffentlich den lokalen Experten die jeweilige Stadt und ihr Umland für mich zu entdecken und zu beschreiben.

So und nun bin mal gespannt, woher ich Einladungen bekomme und wohin ich nun fahre. Denn ohne Einladung werde ich die jeweilige Stadt wohl von meiner Reiseroute streichen.

Blogeintrag vom 6. Januar 2007

Sonntag, Oktober 19, 2008

Identitäten - Europäische Identität

Individualpsychologisch basiert Identität auf einer Abgrenzung vom Anderen. Wie lässt sich dieses Konzept auf Gruppen anwenden und macht es überhaupt einen Sinn, eine über das Individuum hinausgehende Identität zu formulieren?
Ich bin ich und einmalig wie jede andere Person oder wie es ironisch heißt "Alle sind Individualisten - nur ich nicht".
Um mich zu beschreiben braucht es unzählige Adjektive und Substantive, die mich mit anderen Personen vergleichen und die in ihrer Kombination mich als Individuum abgrenzen.

Die Zuordnung zu einer Gruppe wird im Negativen als Schubladendenken bezeichnet, aber dies sind meist nur Hilfskonstruktionen um eine Person annähernd zu umschreiben. Ich bin ein Mann, Brillenträger, habe blonde Haare, eine helle Stimme, bin in Rotenburg/Wümme geboren, Absolvent vom Maxe in Delmenhorst, etc. All dies sind nur Hilfsstellungen um sich an mich zu erinnern. Ohne mich zu kennen, sagen diese Beschreibungen nichts über mich aus.

Kollektive Identitäten sind oft ein Bekenntnis zu etwas. Auch als Blogger habe ich, wie die meisten anderen geschrieben, welche Musik, welche Filme und welche Bücher ich schätze. Ich bin Fan vom ..., bin Mitglied bei ... sind ähnliche Bekenntnisse.

Eine europäische Identität ist ein offensives Bekenntnis zu Europa (nicht nur zur EU!). In Abgrenzung zu einer nationalen oder supranationalen Identität wird eine Wertigkeit der verschiedenen Identitäten gegeben.
Wenn ich also in einer Reihung von möglichen regionalen Identitäten schreibe, dass ich Europäer und Niedersachse bin, dann drücke ich hiermit aus, welch hohe Bedeutung Europa für mich hat und das ich Wert darauf lege, nicht pauschal als Deutscher sondern als Mensch aus dem kargen, platten Land, wo es am Waldesrand und in den Moorlandschaften wunderbare Ruhe und Einsamkeit gibt, erkannt zu werden.
Wenn dem Niedersachsen wiederum verschiedene Eigenschaften zugeordnet werden, dann lege ich aber großen Wert auf eine Differenz zu diesen Plattitüden.

Das es außerdem einen Bezug zum Geburtsort, zum gewählten Heimatort Hannover und darin zu einzelnen Stadtteilen gibt, ist selbstverständlich. Als ein Mensch, der sich für ökologische Fragestellungen, Menschenrechte und Astronomie mehr als interessiert, bin ich natürlich auch vor allem ein Erdenbürger.

Eine Europäische Identität verstehe ich wie früher den Internationalismus als ein Ziel.

10. März 2006