Mittwoch, März 03, 2010

Messe in Hannover und Messejobs

(Archiv: 14. März 2007)

Die Deutsche Messe AG ist direkt und vor allem indirekt einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Stadt Hannover und beeinflusst mit ihren Aktivitäten den Jahresverlauf in der Stadt.


Bis in die 90-er Jahre wuchs die Hannover-Messe zur wichtigsten und weltweit größten Industriemesse. Der Erfolg gemessen in der Zahl der Fachbesucher, der ausstellenden Firmen und der vollständigen Auslastung aller Ausstellungsflächen zwang die Deutsche Messe AG die Computer- und Kommunikationsindustrie aus dieser Messe auszugliedern und so entstand 1986 die CeBIT als eigene Messe. Der Erfolg ging weiter bis zum Platzen der Internetblase an den Börsen. Zwischenzeitlich soll es eine größere Industriemesse in China geben und die Computer- und Kommunikationsindustrie stellt an vielen Orten aus, so dass die CeBIT nicht mehr die Leitmesse ist.

Die beiden genannten internationalen Großmessen schaffen viele Jobs in der Stadt. Jobs beim Aufbau der Stände, der Präsentation während der Messe und der verschiedenen Dienstleistungen auf dem Messegelände (u.a. Bewachung) und in der Stadt. Für die Messe reisen nicht nur Fachbesucher und interessierte Laien an, sondern auch Menschen aus einem grauen Gewerbe. Banden von Taschendieben haben es zu dieser Zeit leichter und Prostituierte reisen von weit her an. Für die letzten beiden Gewerbe und Handwerke gibt es keine verlässlichen Statistiken, aber jeder in der Stadt weiß es und die öffentlichen Warnungen vor den Taschendieben werden ausdrücklich verstärkt.

Die Messe zeigt sich nicht nur im vermehrten Flugverkehr (+50% zu den Wochen vor den Messen), sondern auch in den fremden Nummernschildern an den Taxis. Hier ist Geld zu verdienen, auch wenn jeder Einheimische weiß, dass es ausgesprochen dämlich ist, bei dem erhöhten Verkehrsaufkommen mit dem Taxi zum Messegelände zu fahren, da in einem Drittel der Zeit die U-Bahn einen zum Ziel bringen würde.
Jedes Jahr wieder bittet die Deutsche Messe AG, dass das Hotel- und Gaststättengewerbe endlich damit aufhört, zu den Messen spezielle Preise (mit einem immer wieder genannten Aufschlag von um die 100 Prozent) zu verlangen. Ich kenn' die Regel für uns Einheimische, dass während Messe kein Restaurant aufgesucht wird. Zu viele Anzugträger, zu viele Gäste und entsprechend zu laut und eng, verderben die besten Speisen.
Messe bedeutet auch, dass plötzlich die eigene, kleine Stammkneipe von Anzugträgern gefüllt wird. Ich habe dies aber auch schon im Positiven bemerken können, denn das Spesenkonto war zumindest früher sehr großzügig ausgestattet und ein kostenloses Bier schmeckt noch besser und verführt dazu, dass eines zu viel getrunken wird.

Doch die Messe bietet nicht nur Jobs und hohe Gewinne für Handwerk, Gewerbe und Dienstleistungen, sondern ist auch eine große Einnahmequelle für viele Menschen in der Stadt, die Zimmer oder gleich ihre ganze Wohnung an Messegäste und Firmen vermieten. Für jeweils eine Woche Messe wird eine Miete verlangt und gezahlt, die sonst für einen Monat fällig wäre. Wem es gelingt, seine Wohnung für beide große Messen so vermieten, der muss nur noch das kleine Problem der eigenen Unterkunft lösen und hat zwei Monatsmieten Einnahme.
Ich habe in den mehr als zwanzig Jahren in Hannover verschiedene Menschen kennen gelernt, die einzelne Zimmer oder sogar eine ganze Wohnung an Messegäste vergeben. Für mich war dies nie eine Einnahmequelle, da ich entweder nicht alleine über den von mir bewohnten Raum verfügen konnte oder seit Jahren meine Wohnung mit persönlichen Erinnerungsstücken angefüllt ist. Die Vorstellung, dass jemand sich bei mir bedient und vergisst etwas zurück zu geben (wie die höfliche Umschreibung für Diebstahl heißt) oder etwas aus Versehen beschädigt oder zerstört, ist mir zuwider. Doch andere Menschen haben sich auf diese Einnahmequelle eingestellt, zusätzliche Gästebetten gekauft und sind in der Lage fremde Menschen in ihrer Privatsphäre wohnen zu lassen. Mein Unwohlsein würde sich vermutlich auch schnell legen, denn die Messegäste sind nur im ersten Jahr fremd. Das kenne ich schließlich von den Bekannten, die alle in der Regel immer die selben Firmen als Mieter ihrer Zimmer bzw. Wohnungen haben und die Firmen senden oftmals dieselben Leute jedes Jahr nach Hannover.

In diesem Jahr habe ich einen Messegast zur CeBIT, die heute offiziell eröffnet wird, aber ich habe keine Einnahmen daraus. Eine sehr gute Bekannte kommt aus einer fernen Stadt, um auf dem Messegelände zu arbeiten. Für diese Unterkunft kann und will ich kein Geld verlangen, dass ist für mich klassischer Freundschaftsdienst. Ich freue mich statt dessen über lange Gespräche am Abend!

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